Eine Studie des Thünen Institut beauftragt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Untersucht werden alle 20 Jahre 10 Dörfer in den alten Bundesländern und 4 in den neuen. In Summe wurden 2012 in den 14 Dorf  3177 Einwohner befragt und 400 qualifizierte Gespräche geführt.



In der ersten Studie 1952 ging es unter dem Stichwort Überbevölkerung darum, wie die vielen Zuwanderer aus den Ostgebieten ernährt werden können und wie stabil die Politische Lage ist.

1972 begann ein tiefgreifender Agrarstruktur Wandel weg von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Die Zeit stand im Zeichen von Gebietsreformen und Verkoppelung.

1993, nach der Wende, zeichnete sich eine Urbanisierung ab was zu Einwohnerverlusten in den ländlichen Räumen führte. Im Zuge des Strukturwandels ging die Anzahl und die Bedeutung der landwirtschaftlichen Betriebe zurück.

2012, im Zuge des demographischen Wandel und einer verstärkten Anziehungskraft der urbanen Zentren, muss immer noch mit Bevölkerungsrückgang gerechnet werden. Der eigenen Garten hat mittlerweile komplett ausgedient es gibt nur noch wenige große Agrarbetriebe.


 

Die neue Studie zeigt klar, dass sich die Dörfer sehr unterschiedlich entwickelt haben und die Prognosen der Vergangenheit keineswegs eingetreten sind. Problem- und Rückstandsdörfer, von 1952, haben diese Situation längst überwunden. Die Einwohnerentwicklung führte nicht zu einer Entleerung der Dörfer. Heute sind produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen die Basis des ländlichen Wirtschaftens. Die Unterschiede, hinsichtlich der infrastrukturellen Ausstattung der Dörfer, ist groß, sie relativiert sich aber mit der Einbeziehung der Nachbarorte. Die Landwirtschaft befindet sich weiter im Strukturwandel hin zu wenigen Großbetrieben. Die Wohnbevölkerung hat heute potentielle Konfliktfelder mit der Landwirtschaft.  


Der Anteil der Zugezogenen (nicht im Dorf geborenen) liegt im Durchschnitt aller 14 Dörfer bei 62%, in Westrup sind es 46%. Die meisten Gründe hierfür fallen auf Heirat/ Partnerschaft und Familie. Die Eigentumsquote für alle 14 Dörfer liegt bei 85%, in Westrup sind es sogar 90% Wohneigentum. Am meisten schätzen die Dorfbewohner die Natur und Landschaft, das ruhige Leben und die Überschaubarkeit. Die überwiegende Mehrheit der Einwohner lebt gern in den Dörfern und es herrscht eine große Zufriedenheit mit den Lebensbedingungen.


Westrup ist eine regionstypische Streusiedlung aus vielen einzelnen Häusern und Höfen und einem kleinen Ortskern. Seit der Kommunalreform 1973 gehört Westrup zu der aus 13 Dörfern neu gebildeten Gemeinde Stemwede. Mit 81 Einwohnern je Quadratkilometer ist dies eine der am dünnsten besiedelten Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Heute leben in Westrup 557 Einwohner (Stand 31.12.2013).

 

Westrup liegt relativ weit entfernt von den großen Hauptverkehrsachsen. Der Ort ist durch eine Landstraße überregional angebunden. Autobahnanschlüsse können in ca. 30 Minuten Fahrzeit erreicht werden und der nächste Halt der Regionalbahn ist im niedersächsischen Lemförde oder Rahden. Das Kirchdorf Wehdem ist 2 km entfernt und die Übergänge sind fließend.



Westrup blickt auf eine bewegte demographische und ökonomische Entwicklung zurück. Im 19. Jahrhundert war die Region um den Stemweder Berg ein Zentrum der Leinenweber. Aufgrund der dadurch entstandenen Einkommensmöglichkeiten lebten 1843 in Westrup 674 Einwohner. Mit dem Rückgang des Leinenwebers und einer daraus resultierenden Auswanderungswelle sank die Einwohnerzahl auf 458 im Jahre 1890. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und durch den Ausbau der Veredelungsproduktion  stabilisierte sich die Einwohnerzahl in Westrup auf 650 Personen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

 

Durch die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen gab es im Jahr 1950 einen sprunghaften Anstieg der Einwohner auf 828 Personen. Dies blieb aber auf wenige Jahre begrenzt. 1952 Uhr lebten 65 % der Bevölkerung in 119 Betrieben von der Landwirtschaft. Heute gibt es noch vier Haupterwerbsbetriebe die sich spezialisiert haben. Besonders durch die Flüchtlinge entwickelte sich die Region um den Stemweder Berg zu einem stark vom produzierenden Gewerbe geprägt Wirtschaftsraum. Insgesamt sind in der Gemeinde Stemwede heute 5800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Die Zahl der Einpendler übersteigt die der Auspendler um rund 580 Personen.


Die Grundversorgung der Westruper Einwohner erfolgt seit jeher über das nahe Dorf Wehdem. Hier befinden sich auch der Friedhof, die evangelische Kirche und die Stemweder Berg Schule. Bis 2011 ging die Grundschüler gemeinsam in die Westruper Grundschule.

 

Seit 2014 ist Westrup über Breitband an das schnelle Internet mit bis zu 50 Mbit/Sekunde  angeschlossen.

 

Stemwede ist überregional bekannt durch mehrere open Air Veranstaltungen mit internationaler Bedeutung. Es kommen mehr als 10.000 Besucher zu "Hai in den Mai", „Wonderland“ und „Stemweder Open Air Festival“.


Seit 1990 hat sich die Einwohnerzahl Westrups von rund 700 um 21,5 % auf nunmehr 557 Personen reduziert. Stemwede schrumpfte in dieser Zeit um -3 %. Die Einwohnerzahl Westrups gilt heute als stabil. Dieser drastische Rückgang ist auf wohnungsbaupolitische Festlegung in der Gemeinde zurückzuführen. In Westrup ist die Möglichkeit zum Neubau von Wohnhäusern ausschließlich auf wenige Baulücken in dem kleinen Ortskern beschränkt. Die Übernahme leerstehender ehemaliger landwirtschaftliche Gebäude im Außenbereich unterliegt besonderen Regelungen. Von denen durch Bundesrecht erweiterten Möglichkeiten, eine solche Umnutzung zu erleichtern, macht Nordrhein Westfalen keinen Gebrauch. Dies wird sich langfristig auf die Streusiedlungsstruktur des Ortes auswirken.

 

Da Westrup, wie alle anderen Orte der Gemeinde Stemwede auch, über keine ortsbezogene kommunalen Vertreterorgane verfügt, haben Westruper Einwohner eine Dorfwerkstatt gegründet, um diesen und ähnlichen Herausforderungen der Dorfentwicklung aktiv begegnen zu können.


http://www.bmel.de/

Der Links zu der Studie auf der Seite es Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. In Westrup kann man sich auch die gedruckte Version der Studie ausleihen.

 

www.bmel.de


http://www.ti.bund.de/

Links zu den Teilprojekten auf der Seite des Thünen Institut.

Dörfer als Wohnstandorte

Alltag von Dorfbewohnern

Kindheit im Wandel

Soziale Unterstützungsstrukturen im Wandel

Neue Medien und dörflicher Wandel

 

Die Berichte sind sehr umfangreich. Es empfiehlt sich die Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu lesen